Frau steht lächelnd mit Händen in der Hüfte vor roten und weißen Minibaggern auf einem sonnigen Baustellen-/Lagerplatz.
Monika Keiler

Die Lenkerin

Maria Obermeier war 20 Jahre alt, als sie das Baumaschinenunternehmen ihres Vaters übernahm. Sie war unerfahren und erhielt viel Gegenwind – setzte sich aber mit ihren Ideen und einem eigenen Führungsstil durch. Heute führt sie 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist Mutter von zwei kleinen Kindern.

Plötzlich Chefin

Maria Obermeier wuchs auf einem Bauernhof auf – mit viel Freiraum und Möglichkeiten, sich auszuprobieren: Schon mit zehn Jahren ließen ihre Eltern sie das Auto vorfahren, natürlich nur auf dem eigenen Gelände. Auf Zehenspitzen stand sie dann, konnte kaum kuppeln und schalten: „Meine Eltern haben mir immer das Selbstbewusstsein gegeben, dass ich das kann.“ Niemand plante damals, dass sie einmal das Baumaschinenunternehmen ihres Vaters übernehmen würde. Sie selbst am allerwenigsten. „Ich habe gerne Sport gemacht und wollte Aerobic-Lehrerin werden“, erinnert sie sich.

Dann starb ihr Vater plötzlich. Und die Mutter wollte den Baumaschinenhandel nicht verkaufen. Gegen den Rat des Steuerberaters übergab sie die Führung des Betriebes an ihre Tochter. Mit 20 Jahren stand Maria Obermeier plötzlich vor der Herausforderung, sich als Unternehmerin zu beweisen. Am Anfang sei es einfach darum gegangen, das Lebenswerk ihres Vaters zu erhalten. Er hatte so viel Arbeit und Leidenschaft in die Firma gesteckt. „Ich habe gar nicht von Gewinnen geträumt, ich wollte nur, dass es weitergeht und ich in der Branche ankomme“, erinnert sich Maria Obermeier.

Wenn ich gedrängt worden wäre, die Firma zu übernehmen, dann hätte ich es nicht gemacht.
Frau sitzt vor einem türkisen Bagger auf einer Baustelle, trägt weiße Bluse, sonnig.

Rückschläge haben ihren Blick für das Wesentliche geschärft.

Monika Keiler

Der schwere Start als Unternehmerin

Kann eine junge Frau ein Unternehmen in der Baubranche führen? Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vaters stand schnell fest: Nein. Der ehemalige Betriebsleiter eröffnete ein Konkurrenzunternehmen und warb innerhalb eines Jahres die Belegschaft ab. „Das war alles sehr heftig damals, aber eigentlich auch mein Glück“, sagt Maria Obermeier heute. Schnell war ihr klar geworden, wie schwer es sein würde, das Lebenswerk des Vaters gegen die Vorurteile in der Branche zu erhalten. Und dass es nur gelingen konnte, wenn sie Menschen um sich hatte, denen sie hundertprozentig vertrauen konnte. Sie fingen zu dritt neu an: ihre damalige Fußballtrainerin, die bis heute im Betrieb ist. Und ein weiterer Mitarbeiter, der seine sichere Arbeitsstelle aufgab, um mit anzupacken.

Gleichzeitig erwarb sich die junge Firmenchefin die nötige Expertise, um das Unternehmen wirklich führen zu können. Eine Münchener Stiftung half dabei. Maria Obermeier nahm an einem Managementprogramm teil, lernte Marketing, BWL, Rhetorik, Vertrieb und Führung. Sie kämpfte sich durch und hatte Erfolg, die Auftragszahlen stiegen und die Belegschaft wuchs mit. Heute ist Maria Obermeier Chefin von 24 Frauen und Männern. Auf eines ist sie besonders stolz: Die Firma hat nie rote Zahlen geschrieben, auch nicht in den schweren Anfangsjahren.

Ich habe schnell gemerkt, dass man nicht immer alles glauben darf, was die anderen sagen, und dass man sich ruhig eine eigene Meinung bilden darf.
Frau sitzt an hellem Tisch am Fenster und arbeitet nachdenklich an einem Laptop; kleine Topfpflanze rechts.

Maria Obermeier auf der Baustelle, am Rechner mit Buchungssystem, neben dem Kabelschutz-Löffel

Lächelnde Frau in weißer Bluse steht vor Baumaschinen auf einem Industriehof.

Maria Obermeier auf der Baustelle, am Rechner mit Buchungssystem, neben dem Kabelschutz-Löffel

Lächelnde Frau in weißer Spitzenbluse vor reflektierender Glaswand mit sichtbarer Spiegelung.

Maria Obermeier auf der Baustelle, am Rechner mit Buchungssystem, neben dem Kabelschutz-Löffel

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Kurswechsel mit Erfolg

Bereits als junge Unternehmerin hatte Maria Obermeier den Willen und die Vision, das Unternehmen des Vaters strategisch voranzubringen. Während ihr Vater den Betrieb noch nach traditionellen Strukturen führte, legte sie Tabellen an und schuf transparente Prozesse für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gleichzeitig hatte sie ein Auge darauf, was die Branche braucht.

Als der Gebrauchtmaschinenmarkt einbrach, schloss sie Händlerverträge für Neumaschinen ab – etwas, das ihr Vater nie gemacht hatte. Die nächste Weichenstellung folgte: Ihr Unternehmen wurde das erste in Deutschland, bei dem Baumaschinen vollständig online gebucht und bezahlt werden konnten. Ein Bauleiter, der abends prüfen will, ob morgen noch ein Fünftonner frei ist, findet die Antwort ganz einfach auf der Internetseite ihres Unternehmens und muss nicht mehr hinterhertelefonieren. „Das ist schon ein großer Mehrwert für uns und unsere Kunden“, erklärt Maria Obermeier.

Derzeit läuft die nächste Anpassung. Es werden immer weniger Einfamilienhäuser gebaut, das wirkt sich auch negativ auf Obermeiers Geschäft aus. Deshalb spezialisiert sich das Unternehmen nun auf Recycling und Kabelbau. Deutschlands bislang einziger Kabelschutz-Löffel ist im Unternehmen von Maria Obermeier im Einsatz, darauf ist sie stolz. Das Gerät wird vorn am Bagger montiert und erkennt Leitungen im Boden, bevor sie beschädigt werden. „Wir sind einfach innovativ und suchen immer wieder neue Sachen“, erzählt sie.

3 Fragen zur Rolle der Frau

Frauen haben ein starkes Verantwortungsbewusstsein und sind sehr verlässlich. Ich sehe das bei meinen Mitarbeiterinnen: Ich muss sie nicht kontrollieren, ich weiß einfach, das läuft. Und sie können sich gut einschätzen – sie sagen, wenn etwas nicht mehr geht. Das ist nicht selbstverständlich.

Ich erlebe, dass Frauen mit niedrigeren Gehaltsvorstellungen in Bewerbungsgespräche kommen als Männer. Das versuche ich in meinem Unternehmen aktiv auszugleichen und fair zu gestalten. Das ist mir wichtig.

Ich habe das in meiner Fußballmannschaft erlebt und erlebe es heute bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist immer ein starker Teamgedanke dabei – es geht nicht um das Herausstechen Einzelner, sondern darum, gemeinsam das Ziel zu erreichen.

Lieber reden als brüllen

Wer führt, setzt sich durch – und wird notfalls auch mal laut. Diese unausgesprochene Erwartung in der Baubranche gilt bei Maria Obermeier nicht: „Es würde mich nicht glücklich machen, wenn ich herumbrüllen müsste. Dann hätte ich keine Lust mehr auf den Job“.

Alle zwei Wochen führt die Unternehmerin stattdessen Einzelgespräche und fragt: Wie geht es dir? Was brauchst du zum Arbeiten? „Ich versuche, eine gute Stimmung zu schaffen, damit die Leute gerne zur Arbeit gehen. Und sich das auch mal sagen. Ist es nicht so, muss man eine Lösung finden“, erklärt sie.

Mehr Disziplin durch Mutterschaft

Schon früh stand für Maria Obermeier fest, dass sie zwar Unternehmerin ist, aber auch Mutter sein möchte. Firmenleitung und Familie gehen ihrer Erfahrung nach auch gut zusammen. „Ich war durch meine Elternschaft gezwungen, umzustrukturieren und Verantwortung abzugeben.“ Während der ersten Schwangerschaft wählte sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, die Verantwortung von ihr übernahmen, und trug auch eine Prokuristin im Handelsregister ein, sodass die Firma nicht mehr nur durch sie handlungsfähig war. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei kleinen Kindern und sagt von sich selbst, dass sie heute noch viel disziplinierter ist als früher – gezwungenermaßen. „Ich muss ein Gespräch beenden, wenn die Zeit rum ist und ich ein Kind abholen muss. Alles ist eng getaktet.“

Dennoch ist sie froh, beides machen zu dürfen: Mutter zu sein und ein Unternehmen zu führen. Mit ihrem Partner teilt sie Arbeit und Kinderbetreuung auf: Er arbeitet halbtags, sie ist flexibel in beide Richtungen – mittags nach Hause, wenn ein Kind krank ist, abends länger, wenn die Firma es braucht. Demnächst läuft seine Elternzeit in Teilzeit aus. Die Frage steht im Raum, ob er wieder Vollzeit in seinen Job einsteigt. Sie unterstützt das, denn beide geben sich gegenseitig Raum – für den beruflichen Erfolg und die Familie.

Wenn man es gut organisiert, dann ist es ein richtiger Mehrwert, Mutter und Unternehmerin zu sein, sowohl für den Betrieb als auch für die Familie.
Porträt einer Frau in weißer Bluse, die nach oben blickt, neben einer Glaswand mit Waldspiegelung.

Klare Absprachen und gegenseitige Unterstützung prägen ihren Alltag auch außerhalb des Unternehmens

Monika Keiler