Eine berufliche Besprechung. Eine Frau, offenbar in einer Führungsrolle, erklärt etwas.

Frauen in Führungspositionen

Auf den entscheidenden Positionen in Unternehmen gibt es nach wie vor zu wenige Frauen: Nur knapp jede dritte Führungskraft ist weiblich. Das Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II) von 2021 soll dazu beitragen, das zu ändern. Auch Frauen selbst können wichtige Weichen stellen: zum Beispiel mit ihrer Berufswahl und dem Mut zu Jobwechseln.

Das Zweite Führungspositionen-Gesetz

29,2 Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind weiblich (Stand 2021; Quelle: Statistisches Bundesamt 2022, Frauen in Führungspositionen). 2015 trat das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) in Kraft. 2021 wurde es reformiert, um Lücken zu schließen und seine Wirksamkeit zu steigern. Das Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II) macht verbindliche Vorgaben für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

Für mehr Frauen in Vorständen

In den Vorständen deutscher Unternehmen sind Frauen noch wenig vertreten. Für große, börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen gilt künftig: Ab vier Vorstandsmitgliedern muss mindestens eine Frau im Vorstand tätig sein.

Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen in Deutschland lag 2021 bei 14,7 Prozent und in den Vorständen der DAX-30-Unternehmen bei 17,5 Prozent (Quelle: DIW, Managerinnen-Barometer 2022). Damit ist der Frauenanteil in den 200 größten Unternehmen um rund drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einen so starken Anstieg gab es beim Managerinnen-Barometer seit der Einführung im Jahr 2006 noch nie. Auch in den DAX-Unternehmen gab es im Durchschnitt deutlich mehr Vorständinnen. Diese Entwicklung wird vor allem auf die Einführung des Zweiten Führungspositionen-Gesetzes und die darin enthaltene Frauenquote für große Unternehmen zurückgeführt.

 

Bereits seit Einführung des Führungspositionen-Gesetzes 2015 gilt eine Frauenquote für Aufsichtsräte und verbindliche Berichtspflichten. Die Regelung sorgte zunächst für einen Aufwärtstrend. Doch inzwischen stagniert der Frauenanteil wieder.

  • 101 Unternehmen fallen aktuell unter die Quotenregelung. Frauenanteil in ihren Aufsichtsräten:
    2021: 35,9 Prozent. 2022: 35,6 Prozent.
  • 82 DAX-Unternehmen fallen nicht unter die Quotenregelung. Frauenanteil in ihren Aufsichtsräten:
    2021:  24,5 Prozent. 2022: 27,1 Prozent.

(Quelle: DIW-Wochenbericht 3/2022)

Mehr erfahren: der Women on Board Index

Der Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) e. V. untersucht regelmäßig, wie sich die Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen entwickelt. Mit dem Women on Board Index (WoB-Index) ermittelt FidAR den Frauenanteil in börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen. Mehr erfahren: über den WoB-Index

Was weibliche Karrieren fördert

1. Die gläserne Decke durchbrechen

Trotz guter Bildung und Ausbildung stoßen Frauen öfter als Männer an die sogenannte „gläserne Decke“ – kommen also ab einem bestimmten Punkt in ihrer Karriere nicht weiter oder erhalten erst gar keine Karrierechancen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Überholte Rollenbilder („die Frau ist für die Familie da“) können Frauenkarrieren genauso hemmen wie die Unterstellung, dass Frauen sowieso nicht lange im Unternehmen bleiben („Risikofaktor Kinder“).

Längst bestätigt: Gemischte Teams sind stärker!

Dabei gilt: Wer Führungsposten nicht nur männlich besetzt, wird belohnt. Gemischte Führungsteams erzielen bessere Ergebnisse. Unternehmen, in denen Frauen führende Positionen innehaben, erwirtschaften mehr Gewinn. Zu diesem Ergebnis kommen Studien der Unternehmensberatung McKinsey aus den Jahren 2014, 2018 und 2020. Danach haben die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Top-Management eine 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein (im Vergleich mit den Unternehmen, die am wenigsten divers aufgestellt sind). Das Bayerische Sozialministerium geht übrigens mit gutem Beispiel voran: Das Ziel von 40 Prozent Frauen in Führungspositionen ist im eigenen Haus längst erreicht.

2. Sich bei der Berufswahl gegen das Klischee entscheiden

Noch immer entscheiden sich viele Frauen für Berufe mit geringen Aufstiegschancen: die sogenannten „Frauenberufe“. Mädchen brauchen starke weibliche Vorbilder und müssen ermutigt und darin unterstützt werden, sich gegen überholte Klischees und für ihre Stärken zu entscheiden. Zum Beispiel die zehn Role Models aus dem Aufruf „Bayerns Frauen. Jede anders stark“. Lernen Sie hier die weiblichen Vorbilder und ihre ganz unterschiedlichen Lebens- und Karrierewege kennen!

Starke Frauen: zu den Porträts

Als Frau sichtbar werden, Chancen eröffnen: Erfahren Sie mehr!

Auf einer Baustelle: Die Bauleiterin spricht mit dem Vorarbeiter.

Erfolgsfaktoren in der Arbeitswelt:  Frauen, die ihren Stärken vertrauen und „Männerberufe“ für sich erobern – und Unternehmen, die ihre Karriere unterstützen!

3. Sorge- und Erwerbsarbeit fair aufteilen

Weitere Karrierehemmnisse sind unter anderem Teilzeitjobs und der Verzicht auf Jobwechsel (dabei kann eine planvolle Veränderung ein echter Karriereturbo sein!): Wegen ihrer familiären Verpflichtungen arbeiten Frauen öfter in Teilzeit und wechseln seltener als Männer den Arbeitgeber. Wir müssen als Gesellschaft überholte Rollenbilder aufbrechen, die Männer als Alleinernährer darstellen und Frauen die Sorge um Haushalt, Kinder und Familie zuweisen – oder den Job des Mannes als „wichtiger“ bewerten als den der Frau.

4. Netzwerken und gemeinsam weiterkommen

Ein gepflegtes Adressbuch, lebendige Kontakte, regelmäßiger Austausch: Erfolgreiche Menschen sind meist hervorragend vernetzt. Längst gibt es viele aktive Frauen-Netzwerke, berufeübergreifend oder berufsbezogen, außerdem Mentoring-Programme und weitere Angebote, die Frauen zusammenbringen und weiterbringen. Ganz konkret helfen Netzwerke Frauen, das „Sichtbarsein“ zu erproben: zum Beispiel in einem geschützten Rahmen als Rednerin aufzutreten, die Hand zu heben und bei einem Projekt mitzumachen oder mit eigenen Ideen und Vorschlägen auf andere zuzugehen. Das Feedback der anderen Frauen hilft, ganz gezielt die eigenen Fähigkeiten noch besser kennenzulernen und auszubauen.  

„Liebe Frauen, glaubt an Euch und haltet zusammen! Stärkt Euch gegenseitig! Bringt Euch ein!“ (Ulrike Scharf, Bayerische Frauenministerin und Frauenbeauftragte)

Netzwerk „SIE – Bayerns Frauen“

1.200 starke Frauen vereint das Netzwerk „SIE – Bayerns Frauen“. Regelmäßig treffen sie sich zum Austausch über vielfältige gesellschaftliche und auch berufliche Themen. Initiiert wurde das Netzwerk von Bayerns Frauenbeauftragter. Erfahren Sie mehr über Bayerns Frauennetzwerk SIE.

Unternehmen, in den Frauen führende Positionen besetzen, erwirtschaften mehr Gewinn.

Unternehmen entdecken den Erfolgsfaktor Frau

Noch ist die Liste der Risiken und Karrierehemmnisse lang. Doch Chancen und Erfolgsfaktoren für Frauen gibt es durchaus. Der demografische Wandel und der Fachkräftebedarf werden die Karrierechancen gut ausgebildeter Frauen noch verstärken. Kein Unternehmen wird es sich künftig leisten wollen und können, auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft hoch qualifizierter Frauen zu verzichten!