Anna Diez: Die Vorreiterin
Bildung und Betreuung bereits vor dem Eintritt in die Schule: Dieser Gedanke war um 1830 noch völlig neu. Die Fuhrmannswitwe Anna Diez jedoch erkannte dessen Bedeutung. Mit ihrer Stiftung schuf sie 1838 die Grundlagen für einen der ersten Kindergärten Deutschlands.
Steckbrief
- Name
- Anna Diez
- Geboren
- 1770 in Hirschbach (Oberpfalz)
- Gestorben
- 1841 in Lauf
- Wichtige Stationen
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Zeitraum Tätigkeit 1801: Heirat mit Leonhard Diez 1829: Tod des Ehemanns, Erbe eines größeren Vermögens 1838: Errichtung einer Stiftung zur Gründung eines Kindergartens - Zeitalter
- 1815 - 1848 (Vormärz)
- Wirkungsfeld
- Bildung und Erziehung
- Frauenort
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Lauf an der Pegnitz
Hilfe für Kinder und für Mütter
Anna Diez muss ein großes Herz für Kinder gehabt haben, und für Mütter, die unter großem wirtschaftlichen Druck standen. Dass sie sich später so sehr dafür einsetzte, deren Los zu verbessern, hatte vermutlich mit ihrer eigenen Kindheit zu tun: Sie wurde unehelich in einem Weiler bei Sulzbach-Rosenberg geboren. Der Vater bekannte sich zwar zu seinem Kind und leistete eine einmalige Unterhaltszahlung. Dennoch ist zu vermuten, dass die aus einfachen Verhältnissen stammende Mutter selbst Geld verdienen musste, um für sich und ihre Tochter zu sorgen.
1786 heiratete sie den Fuhrmann Conrad Diez aus Lauf und zog mit der inzwischen 16-jährigen Anna an die Pegnitz. 1801 heiratete Anna Diez den Bruder ihres Stiefvaters, Leonhard Diez, blieb aber kinderlos. Als sie nach dessen Tod 1829 ein größeres Vermögen erbte, wusste sie genau, wie sie es verwenden wollte: 1838 errichtete sie eine Stiftung zur Gründung der ersten „Kleinkinderbewahranstalt“ der Stadt.
Eine Pionierin der frühkindlichen Bildung
Diese Bezeichnung spricht Bände: Es ging vor allem darum, kleine Kinder untertags zu „bewahren“, während ihre Mütter arbeiteten. Hohe Steuern und Lebensmittelpreise ließen Frauen aus ärmeren Gesellschaftsschichten zu dieser Zeit oft gar keine andere Wahl.
Für die Kinder Aufsicht und Essen bereitzustellen, war für Anna Diez jedoch nicht genug. Bei ihrer Stiftung spielten auch pädagogische Ansätze eine Rolle: Schon zur Zeit der französischen Revolution war erkannt worden, wie wichtig Bildung bereits vor dem Schulalter war. Sie konnte Kindern gerade aus ärmeren Verhältnissen dabei helfen, sich später einen Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten.
Im gesamten 19. Jahrhundert blieben solche Einrichtungen selten. Doch zumindest viele Kinder in Lauf bekamen diese wichtige Starthilfe durch die 1850 eröffnete „Kleinkinderbewahranstalt“. Sie existiert bis heute unter dem Namen „Eckert’sche Kindergartenstiftung“. Offensichtlich hielt man die Benennung nach einem Geldgeber, der 1873 einen Erweiterungsbau ermöglichte, seinerzeit für passender.

